Das Going-Concern-Prinzip und die Bewertungsfolgen

In § 252 HGB sind die allgemeinen Bewertungsgrundsätze normiert. Das Going-Concern-Prinzip ist ebenfalls in dem Paragraphen niedergeschrieben, nämlich im § 252 Abs. 1 Nr. 2 HGB. Im Gesetz wird für die Bewertung festgelegt, dass normalerweise von der Fortführung der Unternehmenstätigkeit ausgegangen wird. Nur wenn tatsächliche oder rechtliche Gegebenheiten dem entgegenstehen, darf von der Prämisse der Unternehmensfortführung abgewichen werden. Der Going-Concern-Grundsatz ist ein grundlegendes Prinzip, aus welchem andere Grundsätze abgeleitet werden. Solche abgeleiteten Prinzipien sind beispielsweise das Anschaffungswertprinzip und die Planmäßigkeit der Abschreibung.

Bewertungsfolgen beim Verwerfen der Going-Concern-Prämisse

Die Abkehr von dem Going-Concern-Prinzip führt in aller Regel zu Abwertungen der Vermögensgegenstände und zu einem Ausweiten der Passivpositionen, weil z.B. Rückstellungen für Abfindungen und ähnliche Sachverhalte zu bilden sind. Nach der IDW Stellungnahme RS HFA 17 bewirkt die Abkehr von dem Going-Concern-Prinzip, dass die Aufwands- und Ertragsperiodisierung in den Hintergrund tritt. Unter diesen Umständen ist das Ziel der Rechnungslegung, das Reinvermögen zum Abschlussstichtag festzustellen. Vermögensgegenstände sind zu aktivieren, wenn diese bis zum Zeitpunkt der Beendigung des Unternehmens noch verwertet werden können. Die Passivseite ist ebenfalls vom Wegfall der Fortführungsprämisse betroffen. Zusätzlich zu den Schulden, die auch bislang passiviert wurden, sind Verpflichtungen als Passivposten zu berücksichtigen, die durch die Beendigung des Unternehmens verursacht werden.

Going-Concern-Prinzip und die Bewertungsgrundsätze im HGB

In § 253 HGB sind für Anlage- und Umlaufvermögen Zugangs- und Folgebewertung geregelt unter der Bedingung, dass das Going-Concern-Prinzip angenommen wird. Es gibt zwei Grundsätze für diese zwei Gruppen von Vermögensgegenständen. Anlagevermögen wird mit dem gemilderten Niederstwertprinzip angesetzt und Umlaufvermögen mit dem strengen Niederstwertprinzip. Das gemilderte Niederstwertprinzip sieht eine Abschreibung auf den niedrigeren beizulegenden Zeitwert nur in den Fällen vor, wenn eine voraussichtlich dauerende Wertminderung des Vermögensgegenstands vorliegt. Beim strengen Niederstwertprinzip sind alle Wertminderungen, die sich aus Börsen- oder Marktpreisen zum Abschlussstichtag ergeben, zu berücksichtigen. Diese Unterscheidung führt im Falle der Verneinung der Going-Concern-Prämisse zu strukturellen unterschiedlichen Auswirkungen. Umlaufvermögen ist nach dem strengen Niederstwertprinzip tendenziell eher niedriger am Absatzmarkt bewertet, denn es ist für den Verkauf vorgesehen, als Anlagevermögen. Der Buchwert des Anlagevermögens wird dagegen häufig aus der planmäßigen Nutzungsdauer und der daraus resultierenden Abschreibung entstehen. Im Falle der Ablehnung der Going-Concern-Prämisse ist sowohl das Umlaufvermögen als auch das Anlagevermögen nach dem Absatzmarkt zu bewerten. Etwaige Preisverfälle in der Vergangenheit sind deshalb im Umlaufvermögen meist schon berücksichtigt. Im Anlagevermögen dagegen nicht, was zu größeren Abwertungen im Anlagevermögen beim Verwerfen der Going-Concern-Prämisse führt.

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